Zu viele Barrieren für Fachkräfte mit Migrationshintergrund

Die Wirtschaft in Ostfriesland, Emsland und der Grafschaft Bentheim braucht perspektivisch immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland. In diesem Punkt sind sich fast alle einig. Dabei ist meine Erfahrung, dass zwar viele gut ausgebildete Experten gerne zu uns kommen würden, doch ihnen werden immer wieder Steine in den Weg gelegt.

Oftmals scheitert es an ganz einfachen pragmatischen Dingen, über die aber leider in der politischen Diskussion kaum bis gar nicht gesprochen wird.

Das Welcome-Center der Wachstumsregion Ems-Achse hat tagtäglich mit den bürokratischen Hindernissen zu kämpfen. Negativbeispiele gibt es leider zuhauf. Selbst wenn die ersten Brocken wie Sprachkenntnis, Visum und Arbeitserlaubnis aus dem Weg geräumt wurden, bedeutet dies noch längst nicht, dass Menschen mit Migrationshintergrund sofort bei uns einreisen und arbeiten dürfen.

Die Liste der Probleme ist lang, mit denen die Kollegen im Welcome-Center immer wieder zu kämpfen haben. Da werden zum Beispiel von deutschen Behörden hochwertige Examensabschlüsse von Physiotherapeuten aus Mexiko nicht komplett anerkannt. Dabei sind die Mexikaner, selbst nach Einschätzung erfahrener deutscher Physiotherapeuten, oft besser und vor allen Dingern praxisnaher ausgebildet als ihre deutschen Berufskollegen. Trotzdem müssen sie hier noch teure Nachschulungen absolvieren, bevor sie endlich Geld verdienen und Lücken schließen können.

Ein weiteres Beispiel sind Führerscheine. Oftmals werden diese nicht anerkannt, mit der Konsequenz, dass Menschen in der beruflichen Startphase in Deutschland für 3000 Euro oder mehr die deutsche Fahrerlaubnis erlangen müssen.

Weiter geht es mit der Jobsuche selbst. Die Universität Siegen stellte kürzlich eine Studie zur Ausbildungsplatzsuche vor. Danach haben es Bewerber mit migrantisch klingenden Namen in Deutschland bei gleicher Qualifikation deutlich schwerer einen Job zu finden als Bewerber wie “Michael Müller”. Hier muss dringend ein Umdenken in den Personalabteilungen erfolgen.

Nach den Erfahrungen des Welcome-Centers der Wachstumsregion Ems-Achse gilt Ähnliches für die Wohnungssuche, zumal es in unserer Region viel zu wenige bezahlbare Wohnungen gibt.

Für mich steht fest: Es wird allerhöchste Zeit, dass die Politik diese Probleme endlich anpackt. Auf der einen Seite werden die Politiker in ihren Sonntagsreden nicht müde, den Fachkräftemangel zu beklagen, auf der anderen Seite unternehmen sie aber viel zu wenig, um die vielen Barrieren endlich zu beseitigen.

Es gibt viele auswärtige Spezialisten, die gerne hier arbeiten würden. Meine Kollegen von der Wachstumsregion Ems-Achse können leider zu viele Punkte aufführen, warum IT-Experten, Physiotherapeuten, Mediziner oder Handwerker eben nicht nach Deutschland kommen, sondern andere Länder präferieren. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden. Viele Verordnungen und Vorgaben müssen nicht nur abgestaubt werden, sondern am besten gleich in der Schublade verschwinden.

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