Südafrikaner Tshiamo Pule ist glücklich bei Hero-Glas in Dersum
30-Jähriger will seine Ehefrau und dreijährige Tochter nachholen
Viele Firmen im Emsland, Ostfriesland und der Grafschaft Bentheim bekämpfen den Fachkräftemangel, indem sie auf osteuropäische Mitarbeiter setzen. Die Hero-Group in Dersum (Samtgemeinde Dörpen) hat den Suchradius erweitert: Sie rekrutiert u.a. Metallbauer aus Mexiko und Südafrika. Einer von ihnen ist Tshiamo Pule.
Dabei sagt Hero-Geschäftsführer Heinz-Hermann Ross aber ganz klar: “Alleine könnten wir das nicht.” Er und seine Ehefrau Veronika (zugleich Personalleitung der emsländischen Firma) setzen auf die Expertise und Kontakte der Wachstumsregion Ems-Achse. So gehörte Heinz-Hermann Ross mit zwei weiteren emsländischen Unternehmen im August 2024 zur ersten Delegation, die zusammen mit Maria Schischkin von der Ems-Achse nach Kapstadt flog.
Dabei startete bereits im Frühjahr 2024 vor Ort in Südafrika auf Initiative der Wachstumsregion ein Sprachkursus. Bevor die oftmals als Metaller gut ausgebildeten Südafrikaner in Deutschland einen kompletten Neuanfang wagen konnten, mussten sie für mehrere Monate die Schulbank drücken und die deutsche Sprache erlernen. Der Unterricht fand abends und samstags statt, 20 Stunden pro Woche. Möglich gemacht hat das Ganze das Moving North-Ems-Achse Expats-Projekt der Wachstumsregion Ems-Achse mit finanzieller Unterstützung von drei emsländischen Firmen.

Die Arbeit bei der Hero-Glas Group in Dersum bereitet Tshiamo Pule viel Freude.
Der 32-jährgie Tshiamo Pule erfuhr per Facebook zufällig von dem Projekt. “Das College postete den Flyer”, sagt der sympathische junge Mann mit einem Lächeln bei einem Pressegespräch in Dersum. Der ausgebildete Metallbauer war zu diesem Zeitpunkt arbeitslos. Er zögerte nicht, sondern fuhr mit dem Bus ins 1100 Kilometer entfernte Kapstadt. Während er dort neun Monate lang die “sehr schwere deutsche Sprache” erlernte, waren seine Gedanken oftmals bei seiner Ehefrau und seiner dreijährigen Tochter in der weit entfernten Heimat im Nordosten Südafrikas. “Ich wollte meine Familie stolz machen”, nennt er sein Motiv.
“Wir haben die Lebens- und Berufsprofile der Teilnehmer von der Ems-Achse vorab bekommen”, sagt Veronika Ross. So konnten sie sich ihre vier Kandidaten, für die sie das Schulgeld bezahlen, aussuchen, unter ihnen war Tshiamo Pule.
Maria Schischkin leitet das Pilot-Projekt “Moving North” bei der Wachstumsregion. Die 30-Jährige reiste schon mehrfach ins 13.000 Kilometer entfernte Kapstadt. Die Emsländerin wird vor Ort von Christine Wekenborg unterstützt. Die gebürtige Lingenerin lebt bereits seit vielen Jahren in Südafrika. Neben der Betreuung gehört zu ihren vielfältigen Aufgaben, den Teilnehmern u.a. das Radfahren beizubringen.
"Ich war überrascht, mit welchem Fleiß und welcher Begeisterung die Teilnehmer dort die deutsche Sprache in Abendkursen erlernten", sagt Schischkin, zumal die meisten von ihnen tagsüber ganz normal einem Job nachgingen.
Sie flog im August 2024 mit Firmenvertretern aus dem Emsland nach Südafrika, unter ihnen Heinz-Hermann Ross. Dort fanden Kennenlern- und Vorstellungsgespräche statt. Die Teilnehmer haben allesamt im Vorfeld bereits eine berufliche Ausbildung im Metallbereich absolviert. Das betrifft sowohl den Besuch eines staatlichen Colleges als auch die praktischen Tätigkeiten in Betrieben. “Die Ems-Achse hat uns mit ihren Kontakten die Türen geöffnet”, lobt Ross.
Maria Schischkin holte die ersten elf Fachkräfte Anfang Mai 2025 vom Flughafen in Düsseldorf ab. “Von dort ging es für sechs Tage zur Willkommenswoche in die Jugendbildungsstätte Clemenswerth nach Sögel.” so die Projektleiterin. Zusammen mit Karen Pecher sowie weiteren Mitgliedern des Welcome-Centers der Wachstumsregion Ems-Achse bereitete Schischkin die Fachkräfte vom “Kap der guten Hoffnung” auf ihr zukünftiges Leben vor.

Über den Erfolg des Projektes “Moving North” der Wachstumsregion Ems-Achse freuen sich Veronika Ross (von links), Maria Schischkin und der Südafrikaner Tshiamo Pule.
Inzwischen arbeiten die elf Südafrikaner als Fachkräfte bei ihren neuen Arbeitgebern: Dies sind die Silver Robotics GmbH von der Krone Group in Herzlake, Gerdes Fenster und Türen aus Lengerich, die Hero-Glas Veredelungs GmbH aus Dersum sowie die Wurst Stahlbau GmbH aus Bersenbrück. Tshiamo Pule kam erst im August nach Deutschland, da er erst im zweiten Anlauf den Sprachkurs mit dem erforderlichen A2-Zertfikat bestand.
Unternehmer Heinz-Hermann Ross ließ eigens für seine neuen Mitarbeiter in Firmennähe möblierte Appartements für jeweils zwei Personen errichten. “Wir haben ihnen zudem geholfen, im Dorf Fuß zu fassen”, ergänzt Veronika Ross. So spielen Tshiamo Pule und weitere Südafrikaner beim SV Dersum Fußball.
Wichtig ist dem emsländischen Unternehmen, dass die anderen 330 Mitarbeiter trotz anfänglicher Skepsis diesen Schritt mitgehen. “Die vier südafrikanischen Kollegen haben sie durch ihren Einsatz und ihre Arbeit überzeugt”, sagt Heinz-Hermann Ross. Er könne nur Positives berichten. Zudem gebe es seitens der kulturellen Spezifika viele Überschneidungen. Das erleichtert die Integration. “Die fast immer gute Laune von Tshiamo und den anderen Südafrikanern überträgt sich sogar auf die Kollegen”, freut sich die Personalleiterin.
Dabei genießen die vier noch einen Sonderstatus. So arbeiten sie zwar im Schichtbetrieb mit, werden aber regelmäßig freigestellt. Um ihnen den Neuanfang in Deutschland beruflich und persönlich zu erleichtern, finden weiterhin digitale Sprachkurse statt. “Zudem finden zweimal im Monat in Lingen persönliche Zusammenkünfte für die ganze Gruppe statt, die ich gemeinsam mit Karen Pecher, Julia Noglik und Celine Völker von unserem Welcome-Center organisiere”, so Schischkin.
Das Pilotprojekt der Wachstumsregion Ems-Achse wird fortgesetzt. Im August 2025 startete der nächste Sprachkurs am False Bay College in Südafrika. Im November flog erneut eine Delegation, unter ihnen wieder Heinz-Hermann-Ross sowie Udo Keilen, Leiter der BBS Papenburg für Technik und Wirtschaft, nach Kapstadt. "Wir haben fünf weitere Fachkräfte rekrutiert, darunter zwei Frauen", so Ross. Eine davon ist Elektrotechnikerin, die anderen sind Maschinen- und Anlagenführer. Sie werden ab März 2026 bei der Hero-Group arbeiten und ebenfalls die Dorfgemeinschaft von Dersum mit seinen1500 Einwohnern bereichern.
Für die Hero-Group bietet das Projekt der Wachstumsregion laut ihrer Personalleiterin langfristige Perspektiven beim Rekrutieren von guten Fachkräften”.
Unterdessen hofft Tshiamo Pule, dass er im kommenden Jahr seine kleine Familie entweder in Südafrika besuchen oder sie im besten Fall im Emsland in die Arme schließen kann. Beim Familiennachzug ist die Ems-Ache ebenfalls behilflich.
So ist der 32-Jährige begeistert von seiner neuen Heimat: “Ich liebe es hier in Dersum.” Die meisten Menschen begegneten ihm sehr positiv. Er sieht darin eine “große Chance für sich und seine Familie”. Dabei unterstützt er seine Familie schon jetzt finanziell. Wenn er mit seiner Ehefrau telefoniert, berichtet er ihr besonders, “wie sicher hier alles ist”. In seiner Heimat lebten Menschen immer mit der Angst, dass sie auf der Straße überfallen werden.